Kurze Gedankennotiz zu Rhizom

(Zweiter Leseversuch, nachdem der Erste 2001 ergebnislos verlief.) Auf dem Cover von Deleuze/ Guattaris “Tausend Plateaus” befindet sich eine Tag Cloud. Und das, obwohl diese Ausgabe des Buches von 1992 stammt (frz. Original von 1980). Einige Anregungen darin nehmen (wünschen!) nahezu prophetisch die Entwicklung von Hypertext und World Wide Web voraus: “Ideal für ein Buch wäre, alles auf einer solchen Ebene der Äußerlichkeit, auf einer einzigen Seite, auf ein und derselben Fläche auszubreiten: wahre Ereignisse, historische Bedingungen, Ideenentwürfe, Individuen, gesellschaftliche Gruppen und Konstellationen.” (S.19) ...

April 11, 2008 · unkultur

Gentrifizierung als Ideologie. Linke Stadtteilinitiativen und ihr Verhältnis zu Ökonomie und Stadtraum.

Die Verwendung des Begriffs „Gentrifizierung“ ist in den letzten Jahren massiv angestiegen. Beschäftigte das Thema davor nur eine kleine Anzahl von Expertinnen und Experten im Wissenschaftsbetrieb sowie einige linke Aktivistinnen und Aktivisten, so ist das Konzept spätestens seit dem §129a-Ermittlungsverfahren gegen einen Stadtsoziologen einer breiten Öffentlichkeit im deutschsprachigen Raum bekannt geworden. Dabei kann der Begriff, der die soziale Veränderung in Stadtvierteln beschreibt, auf eine längere Tradition im politischen Aktivismus zurückblicken. Seit den 1990er Jahren wird das Konzept in Deutschland von stadtteilorientierten Gruppen verwendet, um die Aufwertung von Bausubstanz bei gleichzeitiger Veränderung der Bewohnerstruktur zu beschreiben. ...

April 11, 2008 · unkultur

Jetzt auch noch das… formatübspringendes Hypephänomen Web 2.0

Der Film zum deutschsprachigen Web 2.0 mit Barcamps, Blogs, Start ups, schlechtem Kommerzpunk, schlechtsitzenden Anzügen, Bubbling und Anti-Bubbling und allem was dazu gehört.

April 9, 2008 · unkultur

Kurz Notiertes aus einer inoffiziellen Olifanikaminrunde (ohne Kamin)

Erkenntnisse des gestrigen Abends: – Mich immer wieder selbst daran erinnern, dass ich in meinem täglichen Leben nicht einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung antreffe. Homophobie und Sexismus scheinen in meinem Bekanntenkreis marginal vertreten zu sein, nur sagt dies nichts über den Zustand der Welt da draußen aus. – Eventuell darf ich mich doch trauen den Gedanken auszusprechen: Ich halte das Passagen-Werk für überbewertet. So, jetzt ist es draußen. – Der Robotron-Drucker der DDR ist noch lange kein Beleg für die tollen Gebrauchswerte des Staatskapitalismus, denn die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger dieses Staates bekam solche Gerätschaften nie zu Gesicht....

April 9, 2008 · unkultur

Deutsche Telekom Bubbling und Abwehr. Ein Lehrstück des deutschen Bewußtseins.

Aktuell verklagen über 16.000 sich als geprellt fühlende ehemalige Aktionäre die Deutsche Telekom AG. Deren Aktie wurde im dritten Börsengang für 66,50 Euro ausgegeben, stieg dann kurz im März 2000 auf über 103 Euro an um dann einen Sturzflug hinzulegen und bis heute unter 20 Euro herumzudümpeln. Das schöne Geld – weg! Das mag zwar für den einzelnen Anleger oder Anlegerin ein herber Verlust gewesen sein, ist aber an der Börse ein alltäglicher Vorgang. Aktienkurse haben teilweise relativ wenig mit der Bekanntheit und Größe des jeweiligen Unternehmens zu tun. Doch wo liegt das Problem in diesem Fall? Anstatt diesen Verlust als eine ärgerliche Angelegenheit hinzunehmen, die zum Aktionärsdasein dazu gehört, wird nach Schuldigen gesucht. Die klagenden Aktionäre fragen nicht danach, warum sie einem Werbeprospekt glauben schenken wollten. ...

April 8, 2008 · unkultur

re:publica Tag 3

Plagiate und Plagiarismus. Nicht geringeres als das Abendland wird hier verteidigt. Das Plagiat klassifiziert der Referent als eine Art Verbrechen, das mit “Quote” und “Dunkelziffer” erfasst wird. In der Diskussion geht es dann um Plagiarismus in der Wissenschaft. Auch hier einige Knaller: eine Wortmeldung beschwert sich über chinesische Studierende, die kein Unrechtsbewußtsein hätten, denn in ihrer Kultur sei Kopieren (etwa Kaligraphie) hoch angesehen. Da müsse man doch was tun. Genau: zum einen das Verständnis des Originals fördern; dass die Eigenleistung Wert hätte. Zum anderen müßten Strafmaßnahmen gegen plagiierende Studierende her: soziale Ächtung. Also so eine Art moderner Pranger. Könnte man nicht gleich vor Universitäten Gerätschaften aufstellen, in denen dem Plagiieren Überführte eingespannt und vom Mob mit Unrat beworfen werden? Nein, so weit will man dann doch nicht gehen. Es werden in der Diskussion eher ganz ...

April 4, 2008 · unkultur

re:publica Tag 2

Morgens die Vorträge zu E-Partizipation mitgenommen (Erkenntnis: “wir bewegen uns alle im long tail”), dann das eher mäßige Panel mit Sascha Lobo zum Thema Werbung auf Blogs. Komisch, da mimte man noch bis vor kurzem den Rebel mit Iro, der im Nachtstudio bei Volker Panzer PR-Fritzen beleidigt, und bekommt inzwischen selbst Kommerzialisierungsvorwürfe (oder was auch immer das sein sollte) um die Ohren gehauen. Fazit: Affiliate-Marketing funktioniert nicht auf Blogs. Dann hinterher eine Studie über Nutzung von Social Networks (hier direkt zu den Folien, was nochmal einige ...

April 3, 2008 · unkultur

re:publica Tag 1

100 Meter Schlangestehen um halb 11 morgens, was ein vortreffliches Kameramotiv abgab. Die Eröffnung verpasste ich, den ersten Vortrag von Harvard-Professor Viktor Mayer-Schönberger zu Vergessen und Erinnern in der digitalen Welt sah ich mir an. Ausgehend von 2 Beispielen konkreter Repressalien (eine Frau wurde wegen eines Foto auf Myspace nicht als Lehrerin zugelassen, ein Mann wurde wegen eines Artikels über eigenen LSD-Konsum in den 1960er Jahren die Einreise in USA verweigert) machte der Referent seine These auf, dass digitalen Speichermedien und dem Web das Vergessen fehlen würde. Weniger gut fand ich seine Ausführungen, kognitive Leistungen als reine Speicherfunktion darzustellen sowie ein soziales Problem auf ein technisches zu reduzieren. Das Problem ist schließlich nicht Myspace, sondern dass Praktiken, wie die von ihm beschriebenen, überhaupt stattfinden. Diese würden durch den Lösungsansätze des Verfallsdatums von Information evtl. erschwert, aber das Problem der Nachforschungen nicht verhindert. Schnüffelnde Dekane und Grenzbeamte und Arbeitgeber wären abzuschaffen. ...

April 2, 2008 · unkultur

Bini Adamczak liest in b_books

Waiting wies auf die Lesung von Bini Adamczak bei b_books am 31.3. hin. Katja Diefenbach hielt eine kurze Einführung und Bini Adamczak las einige Seiten aus ihrem Buch “Gestern Morgen” vor. Nicht wissenschaftliche Geschichtsschreibung noch objektiven Kriterien, sondern Bezugnahme auf die ermordeten AntifaschistInnen und KommunistInnen war das Anliegen von Adamczak. In der Lesung wurden ausgehend von einer literarischen Beschreibung vornehmlich die Ereignisse der späten 1930er Jahre in der SU unter der “großen Säuberung” thematisiert. Allerdings wollte Adamczak ihre Sichtweise nicht auf diesen Zeitraum, einen konkreten “Punkt des Umschlags” reduziert wissen – gerade die Suche nach einem bestimmten Zeitpunkt, ab dem alles schlecht geworden sein soll, hielt sie für illusionär. Die Diskussion anschließend drehte sich u.a. um religiöse Elemente in kommunistischer Utopie, insbesondere den Begriff des Messianismus. ...

April 1, 2008 · unkultur

Buchbesprechung: Stephan Grigat – “Fetisch und Freiheit”

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März 29, 2008 · unkultur